Portrait | Lavendel

Lavendel | Lavandula angustifolia

lavendel_biene

 

Synonyme: Lavandula officinalis, Lavandula vera

„lavare“ (lat.) = „waschen“,
„lividus“ (franz. „livid“, „livere“) = rötlich-blau, wütend, fahl

weitere Namen

Lavender, Schwindelkraut, Flander, Nervenkräutlein, Echter Speik, Balsam, Hirnkraut, Zitterblümchen, Zöpfli, Balsamblümli, Zitterbleaml.

 

Beschreibung

Familie | Lamiaceae (Lippenblütler)

Blütezeit | Juni-Aug

Ernte | für Heilzwecke kurz bevor die Blüte aufgeht.
für eine große Duftausbeute zur vollen Blüte oder zu Beginn des Verblühens.

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Vorkommen | ursprünglich kommt Lavendel aus den Küstenregionen des Mittelmeergebietes bis Dalmatien, Griechenland und in der Toskana. Heute ist er in ganz Europa vertreten. Wächst bis auf eine Höhe von 1200 m.

Aussehen | immergrüner, mehrjähriger, buschiger Halbstrauch.
Höhe: bis 100cm, aufrecht, stark verästelt und verholzen mit dem Alter.

Blätter sind gegenständig, lanzettenförmig und an den Rändern leicht eingerollt.

 

Blüten sind blau-violett und scheinquirlig angeordnet -> ähriger Blütenstand.
5 Blütenblätter, 2 gleichgroße Oberlippen, 3 gleichgroße Unterlippen. Oberständiger Fruchtknoten.

Der Duft ist angenehm herb-würzig, der Geschmack leicht scharf-bitter.

Pflege | liebt lockeren, kalkhaltigen Boden an sonnigen Standorten. Je wärmer es ist, desto stärker ist der Duft. Auf kargem Boden verträgt der Lavendel mehr Frost.
Vermehrung mittels Samen oder Ableger.

Ende März bis April, nach den stärksten Frösten, findet der Hauptschnitt statt – es wird zu 1/3 zurückgeschnitten.
Zur vollen Blüte oder zu Beginn des Verblühens wird der Sommerschnitt durchgeführt – hierbei werden Verblühtes und oberste Triebspitzen geschnitten.

Natur | Lavendel ist eine beliebte und vielbesuchte Bienen- und Schmetterlingspflanze. Schmetterlingsarten wie Weißling, kleiner Fuchs, Bläuling, Ochsenauge, Perlmutterfalter, Malvenfalter, Gammaeule fliegen auf die Blüten.

gerngesehene Partner sind Salbei, Johanniskraut, Karotten und Tomaten gedeihen neben Lavendel sehr gut.

Lavendelblüte

Signatur | Seelen, Nervenpflanze
Merkur (Lunge), Saturn (bitter)
Organe: Knochen, -mark, Bindegewebe, Milz, Sinnesorgane, Haut.

TCM | kühlende Pflanze, beruhigt das Yang, löst Qi-Blockaden, schmerzlindernd, beruhigt Herz und Leber, bei Magen-/Darmproblemen und Störungen der Lunge.

Monographie | positiv (HMPC, ESCOP, Kommission E, WHO) – Lavendelblüten
innerlich angewandt: beruhigend, entblähend

 

Hauptinhaltsstoffe

bis zu 2000 Wirkstoffe wurden im Lavendelöl festgestellt.

ätherische Öle (30-40% Linalylacetat, 20-50% Linalool, Campher, a-Ocimen, 1,8-Cineol, Gerbstoffe, Cumarinderivate (Umbelliferon, Herniearin), Sterole, Phenylcarbonsäuren, Flavonoide, Saponine,
im Hydrolat: Linalool (Monoterpenalkohol – 56-69%, Ketone – 18%).

Wirkung | ätherisches Öl: antibakteriell, pilzhemmend, krampflösend, entzündungshemmend, wundheilend, fördert die Vernarbung, beruhigt, schmerzlindernd, juckreizstillend, zellbildungsanregend.

Hemmt das Wachstum von Bakterien.

Nebenwirkung | bei übermäßiger innerlichen Einnahme kann es zu Reizungen von Magen / Darm kommen.
Zu viel des Lavendels kann zu Benommenheit bis hin zu Bewusstseinsstörungen führen.
In der Schwangerschaft sollte daher nicht zu viel davon eingenommen werden.

 

Nutzung

Der Lavendel wurde hauptsächlich verwendet, um unangenehme Gerüche zu überdecken.

Ätherisches Öl

Das ätherische Öl des Lavendels, Lavandulae aetheroleum wird mittels Wasserdampfdestillation gewonnen.

Kosmetik

Bereits im alten Ägypten wurde Lavendel zur Beduftung genutzt.

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Heute wird Lavendelöl zu Parfum, Rasier-, Haar-, Duftwasser, Seifen, Talkumpuder, Badezusatz.

Das Einreiben der Haut mit Lavendelwasser wirkt stärkend und durchblutungsfördernd.

Lavendelmilch (zur schonenden Reinigung): 30ml Lavendelwasser, 1EL Doppelrahm. Vermischt und gekühlt etwa 1 Woche haltbar. Morgens und abends auf befeuchtete Haut auftragen und gut abwaschen. Befreit die Haut von Schmutz und Make-up und unterstützt den Feuchtigkeitshaushalt.

Kulinarik

lavendel_IMG_3145.JPGIn der Küche wird Lavendel gern als Pfefferersatz genutzt. Je mehr genutzt wird umso bitterer wird der Geschmack.

Lavendel zählt zu den „Kräutern de Provence“ und daher in solchen Mischungen enthalten, die für Fisch, Suppen, Fleisch als Würze herangezogen werden.

Die Blüten werden, ohne dem bitteren Kelch für Süßspeisen verwendet (z.B. Lavendelzucker, Crème Brulée, Kuchen).

Die Zweige des Lavendel auf dem Griller verleihen dem Essen ein gutes Aroma und vertreibt dazu ungeliebte Gelsen oder Motten.

Lavendelkekse: 250g Butter, 150g Zucker, 250g Mehl, 125g Reismehl, 2EL getrocknete Lavendelblüten, 3 EL frische Lavendelblüten. Teig 30min rasten lassen, ca. 4mm ausrollen, ausstechen, bei 180°C 15min goldgelb backen.

Lavendelgelee

Lavendelsirup geben weiteren Getränken (z.B. Weißer Spritzer) eine schöne Färbung und schmeckt natürlich auch nur mit Wasser verdünnt: 3l Wasser, 1kg Zucker, 80g Zitronensäure aufkochen, Lavendel(blüten) hinzugeben, ca. 1 Woche stehen lassen, täglich umrühren und in Flaschen abfüllen.

 

Volksheilkunde

In frühen Zeiten sagte man, Lavendel heile „versteckte“ Krankheiten, für die es keine Erklärung gab (Kopfschmerzen, Albträume, Migräne, Melancholie, Epilepsie, Hypochondrie, …)

Als Indikation galt meist Nervosität, Anspannung, Angst, Kopfschmerzen, Übelkeit, Ekzeme, Verbrennungen, Insektenstiche, Sonnenbrand, Akne.

innerlich

lavendel_IMG_3609.JPGLavendelwein (Hildegard v. Bingen): 1/2l Wein, 1EL Lavendelblüten, kurz aufkochen lassen und in Flaschen abfüllen. Vor und nach dem Essen ein kleines Gläschen eingenommen soll es bei Konzentrationsstörungen helfen.

Bei einem nervösen Magen oder Magen-/Darmbeschwerden wird Lavendeltee verabreicht. Auch soll er blutdruckstabilisierend sein.

Aufsteigende Dämpfe bei der Inhalation beruhigen den Hals und lösen den Schleim.

äußerlich

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Auf die Haut aufgetragen beruhigt Lavendel irritierte Haut, ist durchblutungsfördernd, juckreizstillend.

Bei Wespen- oder Insektenstichen beruhigt ein Lavendelwickel: frisches, zerkleinertes Kraut oder das ätherische Öl / Hydrolat auf ein befeuchtetes Tuch auf die betroffene Stelle legen.

Ein Vollbad (einige Tropfen ätherisches Lavendelöl vermischt mit Sahne) wirken Lavendelblüten entkrampfend auf den gesamten Körber und Geist.

Ein Ölauszug wird zum Einreiben oder als Kompressen bei rheumatischen Beschwerden verwendet. Als Duftnote wird der Ölauszug oder ein paar Tropfen ätherischen Öles Salben und Cremes beigemengt.

Ein Meersalzpeeling unterstützt die durchblutungsfördernde und reinigende Wirkung des Lavendels: 250g Meersalz, 5EL Lavendelblüten, 4EL Mandelöl. Nach dem Duschen einreiben und lauwarm abwaschen.

lavendel_IMG_3610.JPGEin Lavendelfußbad soll gegen Schweißfüße helfen.

Lavendeltinktur auf die Schläfen aufgetragen lindert Kopfschmerzen.

Ein Hydrolat wird bei Schwangerschaften / Wochenbett als Pflege für den Intimbereich verwendet und auch bei Geburtsverletzungen wird es genutzt.

Lavendelkissen oder mit Hydrolat versehenen Kopfkissen lassen beruhigen und besser einschlafen.

 

Historisches

Die alten Ägypter tränkten die Leinentücher mit Lavendelöl und mumifizierten damit die Mumien einerseits um das Bakterienwachstum zu hemmen andererseits den Verwesungsgeruch zu überlagern. Die Römer nutzen es als Badezusatz.

lavendel_IMG_6260.jpgIm klassischen Altertum wurde dem Lavendel aus medizinischer Sicht weniger Beachtung geschenkt. Der Militärarzt Dioskurides (1. Jhd) beschrieb eine ähnliche Art (Schopflavendel) als schleimlösendes Mittel bei Brustleiden.

Erst Hildegard von Bingen setzte einen Fokus auf Lavendel und beschrieb in ihrem Werk „Garten der Gesundheit“ (1485 n.Chr.) den Lavendel als die „Muttergottespflanze“ und solle unkeusche Gedanken vertreiben.

Lavendel ist Bestandteil von sogenannten „Knotengärten“ (= verschiedene Kräuter in komplizierten und ineinander verschlungenen Mustern). Die Benediktiner Mönche nutzten ihn vorwiegend als Zierpflanze.

Es wurde Lavendelriechsalz bei Frauen angewandt, die in Ohnmacht fielen. In Form von Lavendelsäckchen vertrieb man Läuse, Bettwanzen, Mücken, Fliegen, Motten

Lavendel ist auch Bestandteil des „Essig der vier Diebe“ von Toulouse[i], der dafür sorgte, dass sie freigelassen wurden.

2008 war Lavendel die Heilpflanze des Jahres (DE).

 

Mystisches & Sagenumwobenes

Brauchtum

lavendel_schmetterling_IMG_5106.jpgIn Spanien wurden die Kirchen zu Festtagen mit Lavendel ausgestreut und geschmückt.

Die Legende besagt, dass der Lavendel besser wächst, wenn er von einem Mann gepflanzt wird.

Des Weiteren sollen aufgeschriebene Wünsche wahr werden lassen, wenn das Papier mit Blüten eingerieben wurde.

In Tirol glaubte man, dass Lavendel von Gott geweiht wurde und gegen das Böse verwendet wurde. Lavendel und Rosmarin galten als Abtreibungsmittel.

Mit Lavendel parfümierte Wäsche solle gefügig machen.

Soldaten holten sich von dem Duft Mut vor einer bevorstehenden Schlacht.

Räucherungen

Unbenannt.pngZur Pestzeit bereits wurde Lavendel geräuchert.

In Krankenhäuser wurde Lavendel ebenfalls verräuchert, um die desinfizierende und insektenvertreibende Wirkung zu nutzen.

Der kühlende und entspannende Effekt beim Verräuchern von Lavendel lässt das Selbstvertrauen steigern, negative Gefühle lösen sich auf und kann Ordnung in das emotionale Chaos bringen. Lässt die Schwere vor dem Licht fliehen.

Kinder und Säuglinge können mit Lavendel und Rose immer wieder abgeräuchert werden. Auch etwas Copalharz passt gut in diese Kindersegnungsräucherung. Nach turbulenten Kindergeburtstagen kann eine Räucherung wieder Klarheit und Ruhe bringen.

Räucherungen mit Lavendel werden auch für die Sterbebegleitung herangezogen.

Bildergalerie | Lavendel

 

 

 

Quellen:

https://gartenstrawanzerin.at/2014/05/01/quellennachweis/

 

Die Ratschläge in diesem Beitrag sind von der Autorin sorgfältig erwogen und geprüft worden. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat. Alle Angaben in diesem Artikel erfolgen daher ohne jegliche Gewährleistung oder Garantie seitens der Autorin. Eine Haftung der Autorin für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist jedenfalls ausgeschlossen.

[i] „Essig der vier Diebe“: Als im 17 Jahrhundert die Pest ausbrach, blieben alle in ihren Häusern, außer 4 Diebe, die durch die Straßen zogen und plünderten bis sie gefangen genommen wurden. Bevor sie jedoch in die Häuser einbrachen, rieben sie sich mit einem Kräuteressig, der u.a. Lavendel beinhaltete, um sich nicht anzustecken und bedufteten somit gleich die Häuser. Der Essig wurde in Frankreich ein großer Erfolg und die Diebe wurden freigelassen.

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