Borago officinalis

Namensherkunft

borrace (altfz.) = Borretsch; araq (arab.) = „Vater des Schweißes““; „borra“ (latein) = „Gewebe aus rauer Wolle“ – vermutlich aufgrund der borstigen Blätter und Stiele.

weitere Namen

Boratsch, Burres, Borgelkraut, Gurkenkraut, Himmelsstern, Porich, Porg, Wohlgemuthkraut, Herzfreude, Herzblume, Blauhimmelsstern, Augenzier, Bienensaug

Beschreibung

Familie | Boraginaceae (Raublattgewächse)

Blütezeit | Juni-Sept (bis zum ersten Frost)

Ernte | Blätter (Mai bis September), Blüten (Juni-Aug).

Vorkommen | heimisch in Kleinasien. Schuttplätze, Brachfelder, Komposthaufen

Aussehen | 30-60cm hoch, Stängel rund, längs gerillt, steifhaarig. Wechselständig länglich-eiförmige, im oberen Teil stängelumfassende, zugespitzte Blätter (3-10cm). Blätter borstig behaart.

Blütenstand traubenförmig – lang gestielt, nickend blaue Blüten. So wie beim verwandten Lungenkraut sind die Blüten erst rosa und nach erfolgter Bestäubung werden sie blau. Die Blüte ist eine Rachenblüte – zwei verwachsene Fruchtblätter. Staubgefäße sind zu einem schwarzvioletten Kegel verwachsen. (Blütenformel: *K5C5A4G)

Früchte (einsamige Teilfrüchte) sind hellbraune, länglich-eiförmige Nüsschen (0,5-1cm) mit gerippter Oberfläche.

Aufgrund der langen Pfahlwurzeln reagiert Borretsch sehr empfindlich auf Versetzen.

Geruch ist unscheinbar, Geschmack ist frisch, gurkenähnlich

Pflege | bevorzugt nährstoffreichen, feuchten, durchlässigen Boden; benötigt Platz, daher kann es zartere Pflänzchen verdrängen.
Da Borretsch ein Dunkelkeimer ist, sollten die Samen 1-2cm dick mit Erde bedeckt werden. Nach ca. 1-2 Wochen sprießen erste Keimlinge. 6 Wochen später können erste junge Blätter und Triebspitzen geerntet werden. Borretsch sät sich von Jahr zu Jahr selbst aus.

Natur |

Nahrungsquelle fürviele Insekten, da jede einzelne Blüte 1,3mg Zucker pro Tag produziert und das selbst noch im Spätsommer, wenn die Nahrung für die Insekten weniger wird. Daher ist der „Bienensaug“ auch bei den Imkern beliebt.

Er ist auch ein wertvoller Helfer für den Biogarten, da er durch seine tiefen Wurzeln, die Erde regeneriert und feinkrümeligen, nährstoffreichen Boden hinterlässt. Mit Ausnahme von Petersilie und Rauke verträgt er sich mit allen Nachbarn. Das weitere Erfreuliche ist, dass Schnecken einen großen Bogen um ihn machen.

Auch Vögel sind begeistert vom Borretsch. Stieglitz und Bluthänfling futtern gerne die Samen.

Signatur |

Schädlinge | Mehltau, Blattlautbefall

Monographie | Kraut: negativ; Borretschsamenöl: keine

Hauptinhaltsstoffe

Kalziumkarbonat und Siliziumdioxid (eingelagert in Borstenhaare), Allantoin (als Transport-, Speicherform für Stickstoff), Kieselsäure (wasserlöslich), Schleimstoffe (bis zu 11%), Gerbstoffe, Flavonoide, Phytosterole, zyanogenes Glykosid, Hydroycumarine, Kaliumsalze, Pyrrolizidin-Alkaloide (in Blüten weniger).

Borretschsamenöl: enthält hohe Anteile an essenziellen, ungesättigten Fettsäuren, wie Linolsäure (ca. 39%), u y-Linolensäure (17-25%), Rosmarinsäure, … Das Öl oxidiert rasch, daher sollte es gut verschlossen und dunkel aufbewahrt werden.

Wirkung | adstringierend, entzündungshemmend, reizlindernd, herzstärkend, schleimlösend, harn-, schweißtreibend.

Nutzung

Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Blüten – am besten frisch, da es beim Trocknen das Aroma verliert.
Aufgrund der geringen Menge an Pyrrolizidin-Alkaloiden in dem Kraut, die in hohen Mengen leberschädigend sein können, ist keine langanhaltende Einnahme ratsam.

Kosmetik

In dem wertvollen Öl, das Gammalinolensäure (Omega-3-Fettsäure) enthält, kann in Cremes oder Salben zum Einsatz kommen.

Kulinarik

In Salaten, Saucen, Aufstrichen, Smoothie; Blüten als Deko auch bei Süßspeisen. Als zusätzliches Kraut zum Einlegen von Gurken. Das würzige, schwach bittere Aroma lässt sich gut in Essig konservieren. Essig bewirkt, dass die Blüten verblassen oder rot werden. Daher macht es Sinn, die Blüten beim Salat erst zum Schluss darüber zu streuen.

Borretschsuppe mit Parmesan, Pesto aus Borretschblättern und -blüten – auch als Füllung von Ravioli.

Bowle mit Borretsch haben eine erfrischend gurkenähnlichen Touch.

Mit Eischnee bestrichen, mit Puderzucker bestreut und danach getrocknet, wurden die Blüten als Konfekt genossen.

Volksheilkunde

In der Volksheilkunde ist Borretsch schon lange ein Gewürz- aber auch Heilkraut, das aufhellend, blutreinigend, harn- u schweißtreibend und abführend wirkt. Es findet auch Verwendung gegen Herzschwäche, Herzklopfen, Nervosität und Depression. Auch gegen Rheuma, Gicht, Windpocken, Masern, Bronchitis und Nierenleiden wird das Kraut in der Volksmedizin angewandt.

Innerlich

Smoothie, Wein, Öl, Tinktur

Borretschsamenöl soll den Cholesterin- / Triglyceridspiegel senken. Auch innerlich hilft es bei Neurodermitis. 3g tgl. des Öls für Erwachsene zeigt nach 1-3 Monaten seine Wirkung.

Borretsch-Milch zur Herzkräftigung

Ein gehäufter Teelöffel fein geschnittene, frische Blätter mit einem warmen Glas Milch verrühren.

Borretsch-Tee

Bei Husten und zur Entwässerung.
Zwei gehäufte Teelöffel getrocknete Blätter Borretsch mit 250ml heißem Wasser übergießen und 10-15 Minuten ziehen lassen. Für eine Teekur zwei bis drei Tassen pro Tag schluckweise trinken. Die Dauer kann 2-3 Wochen betragen, dann sollte man eine Pause einlegen.

Borretsch-Weinkur

Bei Fieber, zur Harmonisierung des Nervensystems

1 Teil Blüten, 10 Teile Wein

Die Blüten in ein Glas geben, mit dem Wein übergießen und verschlossen bei Zimmertemperatur 5 Tage ziehen lassen. Danach abseihen, in saubere Flaschen abfüllen und kühl lagern.

Erwachsene: täglich zwei Schnapsgläschen, maximal drei Wochen lang.

Äußerlich

Borretschsamenöl in Cremes (oder auch innerlich) unterstützt bei rheumatoider Arthritis, entzündlichen Hautproblemen, Neurodermitis und in Form von Auflagen bei Gelenksschmerzen.

Borretsch-Tinktur

Bei schlecht heilenden Wunden und Ekzemen

50g blühendes Borretschkraut, 250ml Akohol (70%)
In ein verschließbares Gefäß geben und 4-6 Wochen ziehen lassen und täglich schütteln. Danach abfiltern und in saubere Flaschen abfüllen.

Täglich 20 Tropfen in ca. 200ml Wasser verdünnt auf eine Auflage verteilen und auf die betroffene Stelle auflegen. Nach ca. 1 Stunde entfernen und am nächsten Tag wieder anwenden.

Historisches

Borretsch war bereits im Altertum bekannt. Es wurde ihm nachgesagt (Dioskurides und Plinius), dass er in Wein aufgegossen zum völligen Vergessen führt. Es wurde als Antidepressivum eingesetzt.

Im Werk von Plinius (vor rund 2000 Jahren) steht: „Ich, der Borretsch, bringe immer Freude“.

Im 16. Jahrhundert war man ebenfalls vom Borretsch überzeugt: „Die holdseligen Boragenblumen mögen in speiß und tranck fröhlich genützt werden, den sie stärcken wunderbarlich das Herz, erwecken verzagte, traurige melancholische Menschen zur Freud und zur Leichtsinnigkeit.“

Die Araber waren vermutlich die ersten, die das Kraut kultiviert haben.

Parkinson spricht davon, dass sie bei Melancholie u Nachdenklichkeit hilfreich sein solle.

Mystisches & Sagenumwobenes

Wer das Gurkenkraut gerne isst, soll davon schöne Träume bekommen.

Bilder | Borretsch

Die Ratschläge in diesem Beitrag sind von der Autorin sorgfältig erwogen und geprüft worden. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat. Alle Angaben in diesem Artikel erfolgen daher ohne jegliche Gewährleistung oder Garantie seitens der Autorin. Eine Haftung der Autorin für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist jedenfalls ausgeschlossen.

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