Gerbstoffe

Wie der Name bereits sagt, werden Gerbstoffe vorwiegend zum Gerben verwendet.

Einteilung

  • Phenole
    • Polyphenole
      • Gerbstoffe
      • Lignin

 

Eigenschaften

Gerbstoffe sind wasserlösliche Verbindungen, die Eiweiße (Proteine) ausfällen. „Mit Fällung wird in der Chemie das Abscheiden eines gelösten Stoffes aus einer Lösung bezeichnet.“[i]

Das in den Proteinen gebundene Wasser wird durch Gerbstoffe verdrängt, was eine austrocknende Wirkung nach sich zieht und die Lösung schwach sauer macht. Gerbstoffe lösen auch Schwermetallionen (z.B. Amalgam) und Alkaloide. Die Bindung von unlöslichen Komplexen wird über die Darmschleimhaut über Lymphe und Stuhl ausgeschieden, daher werden Gerbstoffe als Gegengift (Antidot) bei Alkaloid- und Schwermetallvergiftung herangezogen.

Die Oberfläche wird gefestigt (z.B. Haut bei äußerlicher oder Schleimhaut bei innerlicher Anwendung) und es bildet sich eine Schutzschicht. Dieses „ledrige Membran“ (=Eiweißkoagulat) reduziert die Durchblutung.[ii]

In Kontakt mit Sauerstoff bilden Gerbstoffe wasserunlösliche Stoffe, die ausfallen. Das ist der Grund, warum man Rotwein, der Gerbstoffe (meist Quercetin) enthält, vor dem Genuss an der Luft „atmen“ lässt.[iii]

Gerbstoffe werden in weitere Gruppen untergliedert:

Gallotannine (Gewinnung aus der Gall-Eiche), Catechingerbstoffe (z.B. Erdbeer-, Brombeer-, Walnussblätter), Leukoanthocyanidinen, Depside (z.B. Rosmarinsäure).[iv]

Der Geschmack ist herb, trocken-zusammenziehend mit stumpfem Gefühl im Mund (durch die im Speichel ausgefällten Glycoproteine). Die Gerbstoffe verändern die Proteine in der Schleimhaut, sodass sie sogar das Funktionieren der Geschmackspapillen verhindern und in weiterer Folge unser Gehirn uns einen „virtuellen“ Geschmack nach „bitter“ vorgaukelt.[v]

 

Vorkommen

Vor allem in Rinden und Wurzeln sind Gerbstoffe zu finden.

In folgenden Pflanzenfamilien sind die Gerbstoffe besonders konzentriert vertreten: Rosengewächse, Lippenblütler (Lamiaceengerbstoffe sind besonders virenhemmend – z.B. Melisse, Ysop, Salbei, Schwarztee, Storchenschnabel, Gundelrebe), Heidekrautgewächse, Weinrebengewächse, Kieferngewächse, Erikagewächse, Rachenblütler, Johanniskrautgewächse , Walnuss.

 

Funktion für die Pflanze

Gerbstoffe haben eine abgrenzende Funktion, die nach innen gegen Fäulnis und Eindringen von zu viel Nässe, Bakterien und Schädlingen und nach außen vor zu viel Feuchtigkeitsverlust schützen.

 

Wirkung & Verwendung

Gerbstoffe entziehen den Bakterien den Nährboden, somit wirken sie antibakteriell, keimhemmend und kommen häufig bei Entzündungen zum Einsatz.

Sie wirken auch adstringierend (= zusammenziehend), was einen blutstillenden, wundheilenden, schmerz- und juckreizstillenden Effekt nach sich zieht.

 

Nebenwirkungen

Bei hoch dosierten Gerbstoffen kann es zu Verstopfungen und trockenen Schleimhäuten kommen.

Die Aufnahme von Eisen wird durch die Einnahme von Gerbstoffen reduziert (Resorption basischer Stoffe). Gerbstoffe können aufgrund ihres „Säurecharakters“ Magenschleimhautreizungen hervorrufen, wogegen mit schleimhaltigen Kräutern (z.B. Malve) ausgleichend gearbeitet werden kann.

Bei langer und hochdosierter Einnahme können Leberschädigungen eintreten.[vi]

 

Löslichkeit

Gerbstoffe benötigen Hitze um sich gut lösen zu können.

Sehr gute Löslichkeit mittels heißem Wasser (mind. 5 min), Alkohol, Aceton.
Schwer löslich in kaltem Wasser und praktisch unlöslich in Fetten und fetten Ölen.[vii]

 

Geschichte

Schon im Altertum wurden pflanzliche Gerbstoffe zum Gerben von Tierhäuten verwendet, um es widerstandsfähiger zu machen und z.B. vor Fäulnis zu schützen.

Heute werden oftmals synthetisch hergestellte Gerbstoffe verwendet.

 

Mystisches & Sagenumwobenes

„Gerbstoffe ziehen zusammen, sie zentrieren, erden und verdichten. Sie können helfen das Grenzbewusstsein zu stärken und die Energie nach innen zu lenken und sich dadurch eignen für Menschen, die sich schwer konzentrieren können, die ausschweifen, auf alles „allergisch“ reagieren, die sich schwer entscheiden können oder sich verströmen und nicht zu ihrer Mitte bzw. ihrem eigenen Weg finden.“[viii]

 


[i] Chemie.de, „Fällung“, http://www.chemie.de/lexikon/F%C3%A4llung.html, Stand: 23.10.2016

[ii] Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde: Grundlagen – Anwendung – Therapie von Ursel Bühring | Karl F. Haug Verlag (ISBN: 978-3830477495), 4. Auflage, 2014, S.134ff

[iii] Nutzpflanzen und ihre Inhaltsstoffe von Susanne Bickel-Sandkötter | Quelle & Meyer (ISBN: 978-3494013336), 2. Auflage, 2002, S. 86f

[iv] Nutzpflanzen und ihre Inhaltsstoffe von Susanne Bickel-Sandkötter | Quelle & Meyer (ISBN: 978-3494013336), 2. Auflage, 2002, S. 86f

[v] Der Weißdorn: Ein unterschätzter Alleskönner von Verein Naturvermittlung | Freya, (ISBN: 978-3990252420) 1. Auflage, 2016, S. 18

[vi] Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde: Grundlagen – Anwendung – Therapie von Ursel Bühring | Karl F. Haug Verlag (ISBN: 978-3830477495), 4. Auflage, 2014, S.134ff

[vii] Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde: Grundlagen – Anwendung – Therapie von Ursel Bühring | Karl F. Haug Verlag (ISBN: 978-3830477495), 4. Auflage, 2014, S.134ff

[viii] Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde: Grundlagen – Anwendung – Therapie von Ursel Bühring | Karl F. Haug Verlag (ISBN: 978-3830477495), 4. Auflage, 2014, S. 138

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