Schon seit der Antike gegen Galle- und Leberleiden eingesetzt, ist die unscheinbare Mariendistel auch heute noch DAS Kraut, das bei sämtlichen Leberkrankheiten und Knollenblätterpilzvergiftungen medizinisch eingesetzt wird.

In unseren Breiten zwar ursprünglich nicht heimisch, fühlt sie sich bei uns dennoch wohl, was den erfolgreichen Anbau in manchen Gebieten des Wein- und Waldviertels bestätigt. 

Leider steigt die Zahl der an Fettleber erkrankten Menschen und das nicht nur wegen erhöhtem Alkoholkonsum, sondern vermehrt aufgrund Fehlernährung, was das Gesundheitsbewusstsein unserer aktuellen Gesellschaft zum Teil widerspiegelt.

Eine gesunde Ernährung und vor allem die Schalen der Früchte der Mariendistel können hier schon vieles gut machen.

Die Mariendistel ist Österreichs Arzneipflanze 2021.

Namensherkunft

Der Legende nach fielen ein paar Tropfen der Milch von Jungfrau Maria auf die Pflanze wodurch die charakteristische weiß-grüne Marmorierung entstand, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. 

Früher wurde die Mariendistel Carduus marianum L. genannt, wobei „Carduus“ die lateinische Bezeichnung für „Distel“ ist.

Der jetzige botanische Name lautet Silybum marianum L.
„silybon“ (lat.) = „Quaste“ – was vermutlich auf die Form des Blütenkopfes zurückzuführen ist und „marianum“ = nimmt Bezug auf die Jungfrau Maria.

weitere Namen

Leberdistel, Christi Krone, Fieberdistel, Milchdistel, Marienkörner, Stichsamen, Stichsaat, Gallendistel, Frauendistel, Heilandsdistel, Magendistel, Venusdistel, Weißdistel

© Marc

Beschreibung

Die Mariendistel ist eine Vertreterin der Korbblütler (Asteraceae) und ursprünglich aus Südeuropa, Kleinasien und Nordafrika. Bei uns ist sie mittlerweile auch verbreitet, wobei das bis zu 2m hohe Kraut nicht winterhart ist.

Die Aussaat findet Mitte März bis Mitte April statt. Das Kraut hat geringe Ansprüche an den Boden und liebt einen sonnigen, nicht allzu feuchten Standort.

Auf dem grünen, meist glatten oder leicht flaumigen Stängel sitzen dornig, gezähnte Blätter. 

Ende Juni bis Anfang Juli sind die violetten, purpurfarbenen, manchmal auch weißen Blütenköpfe in voller Pracht zu sehen, die von dornigen Hüllblättern umgeben werden. Die Früchte („Achäne“) mit ihren Flugschirmchen („Pappus“) sind 6-8 mm lang und besitzen eine braunschwarze Schale, die den wertvollen Inhaltsstoff „Silymarin“, ein Gemisch auch Flavanolignanen, enthalten.

Genutzt kann das gesamte Kraut werden – so richten sich auch die Sammelzeitpunkte. Die Früchte werden im August / September gesammelt. Medizinisch verwendet werden die reifen, vom Pappus (Flugschirm) befreiten Früchte.

In Deutschland wird die Mariendistel bereits seit den 1930ern kultiviert, in Österreich seit Mitte der 1980er – vorwiegend im Wald- und Weinviertel.

Natur | Die blühenden Mariendisteln sind ein beliebtes Bienenfutter. Aber auch unter den Vögeln ist das Kraut beliebt. Der Distelfink tänzelt geschickt auf den abgeblühten Blüten und pickt sich die reifen Früchten heraus.

Signatur | Die Mariendistel ist der Signaturenlehre nach den Organen Niere, Milz, Galle, Darm, Herz zugeordnet.

Historisches

Im Altertum schon würdigte man die Mariendistel als Nahrungs- und Heilpflanze. Plinius (ca. 23 – 79 n.Chr.) empfahl den Saft der Pflanze mit Honig vermischt zum „Abführen von Galleflüssigkeit“.

Auch Hildegard von Bingen (1098 – 1179) erwähnte das Kraut in ihrem Buch „Physica“: „ Aber die Mariendistel enthält Kälte, die vom Tau stammt, und ist sehr nützlich. Wenn also jemand am Herzen oder an einem anderen Ort oder an seinem seiner Glieder am Stechen leidet, soll er Mariendistel nehmen und etwas weniger vom Langohrigen Salbei und das in ein bisschen Wasser zu Saft machen. Den soll er sofort, wenn er vom Stechen gequält wird, so trinken, und es wir ihm besser gehen.“

Im Mittelalter wurde die Mariendistel besonders gründlich untersucht und bei „Behinderungen“ im Bereich von Milz und Leber verabreicht. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts jedoch wurde sie immer mehr von exotischeren Heilpflanzen verdrängt.

Später wurde durch Johann Gottfried Rademacher (deutscher Arzt, 1772 – 1850), beschrieb erstmals, dass die besonders wertvollen Inhaltsstoffe vor allem in der Samenhülle vorzufinden sind. Aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Kraut wurde es zu dem präferiertem Heilmittel bei Gallenkoliken, Leber- und Milzleiden.

Die Erfahrungsberichte und Schriften von Rademacher über die Mariendistel wurden vom londoner Homöopathen James Compton Burnett aufgegriffen. Ein 16jähriges Mädchen, das nach einer schweren Diphterie- und Windpockenerkrankung ständig erbrechen musste, wurde von Burnett untersucht, der angeschwollene Milz und Leber entdeckte, was Ursache für das Erbrechen war. Mittels Urtinktur aus den Samen der Mariendistel konnte er eine vollständige Genesung des Mädchens erreichen, was die Manifestation der Mariendistel bis heute in Deutschland in der Homöopathie bedeutete.

Sagenumwobenes & Brauchtum

Gebährende Tiere bekamen oft vor der Geburt Mariendistel, um die Leberbelastung zu reduzieren und die Milchproduktion rascher anzukurbeln.

© tunedin

Hauptinhaltsstoffe

Silymarin, ein Gemisch aus Flavonolignane ist der Hauptinhaltsstoff von dem sich 1,5 – 3% in den Samenschalen befindet, der für die wissenschaftlich bestätigte Wirkung verantwortlich ist. Auch die Blätter beinhalten diesen Stoff, jedoch in einer sehr geringen Konzentration.

Im Detail ist Silymarin wie folgt aufgeschlüsselt: ca. 50% Silibinin und Isosilibinin, Silychristin, Silydianin (je 25%)). 

Weitere Inhaltsstoffe: Coniferylalkoholderivate (Dihydrodiconiferylalkohol), Flavonoide (Taxifolin, Quercetin, u.a.), ca. 0,6% Phytosterole (u.a. Sitosterol), ca. 20-30% Eiweiß und ca. 20% fettes Öl (Linolsäure ca. 60%, Palmitinsäure ca. 7-9%).

Wirkung | Das Silymarin unterbindet die Zerstörung der Leberzellen, steigert die Produktion neuer Leberzellen (stimuliert die Zellregeneration) und erhöht die Konzentration an Glutathion, einer Aminosäure, die den Prozess der Entgiftung toxischer Stoffe und der Verarbeitung von Hormonen fördert. Die Mariendistel gilt vor allem als Lebermittel. Sie wird vorrangig dazu verwendet, vor Schäden an Leberzellen aufgrund von erhöhtem Alkoholkonsum, Drogenkonsum, allgemeinen Vergiftungen, Hepatitis und Pilzvergiftungen zu schützen.

Silibinin bindet Proteine der Zellmembran, wodurch Lebergifte nicht mehr in die Zelle eindringen können.

Generell hat Silibinin eine antioxidative und entzündungshemmende, antivirale Eigenschaften.

Für die medizinische Anwendung werden standardisierte Extrakte mit definiertem Gehalt an Flavonolignanen verwendet.

Pharmakokinetik von Silibinin: bei oraler Applikation beträgt die Bioverfügbarkeit von Silibinin beim Menschen 20-40%. Bereits nach 2-3 Stunden ist der Höchststand im Blut messbar und wird vorwiegend über die Galle ausgeschieden. Der Rest (ca. 3 – 7%) wird über den Urin ausgeschieden. Silibinin akkumuliert nicht – d.h. es wird nicht im Körper abgelagert („steady state“ am 2. Tag).

Knollenblätterpilzvergiftung | Der Knollenblätterpilz enthält sehr starke Lebergifte, die in kurzer Zeit eine große Anzahl der Leberzellen zerstören.

In 30% der Fälle endet die Vergiftung tödlich, mit vorangegangenen Bauchschmerzen, Erbrechen und übel riechendem Durchfall. Studien in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Deutschland haben ergeben, dass die Sterblichkeit mittels Silymarin, auf 10% reduziert werden konnte.

Positive Monographien
Positiv-Monographie der Kommission E, ESCOP und der WHO bei Anwendung bei toxischen Leberschäden in der unterstützenden Behandlung von chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen sowie Leberzirrhose liegen vor.

Nebenwirkungen
Diese wurden in einem sehr geringen Maße, auch in hohen verabreichten Dosen, festgestellt. Zusammenfassend wurde von der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) aus Daten von rund 5.000 Patienten ausgewertet. Circa 2% hatten milde Nebenwirkungen in Form von Durchfall, Kopfschmerzen, Juckreiz.

Einnahme

Da die Hauptbestandteile nicht wasserlöslich sind, lässt sich am besten ein Extrakt, Pulver oder eine Tinktur herstellen.

© Reinhold Einsiedler

Volksheilkunde

Historisch gesehen galt die Mariendistel vorrangig als Mittel für die Milz und das Lymphsystem und erst als weiteres Einsatzgebiet wurde sie bei Leberleiden herangezogen. Mittlerweile wird es prior bei Leberschäden und Knollblätterpilzvergiftungen genutzt.

Die Mariendistel ist der Signaturenlehre nach den Organen Niere, Milz, Galle, Darm, Herz zugeordnet.

Kulinarik

Sogar in der Küche kann die Mariendistel genutzt werden.

Früher wurden die Blätter ganzjährig als Salat genutzt – natürlich sollten dafür die Dornen abgeschnitten werden.

Aber auch die Blüten, die Artischocken ähneln, die Stängel und die Früchte sind kulinarisch nutzbar – kurzum: das gesamte Kraut findet Einsatz in der Küche.

Ein bekömmlicher Mariendistel-Tee wird zur Geschmacksverbesserung noch mit Pfefferminze oder Fenchel gemischt.

Circa ½ TL zerkleinertes Kraut für eine Tasse Tee. Täglich 2-3 Tassen trinken.

Homöopathie

In der Homöopathie ist die Mariendistel noch unter dem alten Namen (Carduus marianum) bei wiederkehrenden Gallen- und Leberbeschwerden mit Übelkeit, Völlegefühl und Appetitlosigkeit sowie Gallenkoliken, Verstopfung und Schmerzen im Oberbauch im Einsatz (niedrig dosierte Potenzen D4,  D6 und D12 werden hierzu empfohlen).

Wissenschaftliche Bestätigung

Pharmakologische Forschungen über die Mariendistel und die darin wirksamen Inhaltsstoffe begannen etwa um 1960. Es stellte sich dabei heraus, dass nicht nur ein einziger isolierter Wirkstoff dafür verantwortlich ist, sondern ein Gemisch aus Substanzen, die Flavonolignane, dem Silymarin.

Tierversuche zeigten, dass Silymarin auch den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflusst und cholesterinsenkend wirkt.[i]

Silibinin induziert die Apoptose, den programmierten Zelltod, verschiedener Krebszellen.[ii]

Weitere Studien liegen vor, dass Extrakte der Samenschalen der Mariendistel die Replikation des Hepatitis-C-Virus hemmen kann.[iii]

Natürlich wird gerade in diesen Zeiten auch die Wirksamkeit der Mariendistel bei Covid-19 untersucht. Vor allem in Hinblick auf die Virenreplikation, als auch auf den Zytokinsturm. Mit Zytokinsturm ist die unkontrollierte Freisetzung von Zytokinen gemeint – eine Überreaktion der körpereigenen Abwehr.) [iv]

Neuere Studien zeigen, dass Silymarin auch den Zucker- und Lipidstoffwechsel positiv beeinflusst, dass Silibinin die Apoptose induziert, den Stresshormonwechsel beeinflusst und antivirale Effekte besitzt.

Im Zuge der Pressekonferenz zur Arzneipflanze des Jahres wurde von Frau Dr. Annette Jänsch, Internistin an der Hochschulambulanz für Naturheilkunde der Charité, der Einsatz der Mariendistel im klinischen Bereich präsentiert und mit Studien untermauert.

Immer mehr Menschen erkranken an einer nicht alkoholischen Fettleber (NAFL), wofür die Ursache meist falsche Ernährung, fehlende Bewegung ist.

Viele neue Erkenntnisse kurbeln weitere Untersuchungen und Forschungen an und lassen hoffen, dass der Trend der Akzeptanz der Naturheilkunde, kombiniert mit der modernen Medizin, weiter steil bergauf geht.

Arzneipflanze des Jahres:
Kriterien für die Auswahl:

  • Bezug zu Österreich
  • wissenschaftlich aktuell interessant: neue Studien, Forschungsthema eines Instituts,
  • Stimulation von Forschung, Würdigung von vorliegenden Ergebnissen
  • Bedeutung in der Medizin und Pharmazie
  • wirtschaftliche Bedeutung
  • neue Indikationsgebiete
  • aktuelles zu Qualität- oder Anbau
  • ausgeschlossen wurden in Deutschland ausgerufene „Arzneipflanzen des Jahres“ der letzten Jahre

Quellen:

  • Die Weisheit der Pflanzen: Überliefertes Heilwissen für die Praxis von heute, Matthew Wood, AT Verlag (ISBN: 978-3038005810), 1. Auflage, 2012
  • Heilpflanzen – Praxis heute: – Band 1 Arzneipflanzenportraits, Siegfried Bäumler, Urban & Fischer (ISBN: 978-3437572722), 2. Auflage, 2012
  • Hildegard von Bingen Werke – Band V, Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Dinge – Physica, Beuroner Kunstverlag (ISBN: 978-3-87071-271-6), 3. Auflage, 2020
  • Kheiripour N, et al., J Basic Clin Physiol Pharmacol. 2018; 29(3):301-308)
  • [i] Kheiripour N, et al., J Basic Clin Physiol Pharmacol. 2018; 29(3):301-308)
  • [ii] Si L, et al., arch Biochem Biophys. 2019; 671:42-51; Yu Y, et al. Free Radic Res. 2019; 53(7):714-726. Binienda A, et al. Anticancer Agents Med Chem. 2020; 20(15):1787-1796)
  • [iii] Ahmed-Belkacem et al., 2010; Polyak et al., 2010; Wagoner et al., 2010 in Navarro & Montilla, 2012).
  • [iv] Bosch-Barrera J, Martin-Castillo B, Buxó M, Brunet J, Encinar JA, Menendez JA. Silibinin and SARS-CoV-2: Dual Targeting of Host Cytokine Storm and Virus Replication Machinery for Clinical Management of COVID-19 Patients, J Clin Med. 2020 Jun 7;9(6): 1770; https://doi.org/10.3390/jcm9061770
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